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Das Schicksal jüdischer Familien in Borken (Westf.) und Gemen zur Zeit des Nationalsozialismus - Ein Schülerprojekt

Zur Lage Borkens und Einführung in seine jüdische Geschichte
 

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Familie Feith

Josef und Johanna Feith - Die Kinder - Gella Simon - Enkelin von Josef und Johanna Feith - Zusammenfassung - Sonstiges - Quellen



Haus der Familie Feith

Das Haus der Familie Feith
Gemenerstraße 20
(heute Heiderner Straße 31)

Die Familie wohnte hier
von Ende des 19 Jahrhunderts (genaues Datum unbekannt)
bis ungefähr 1942 (Foto: Geschw. Pick 1989)



Josef und Johanna Feith


Josef Feith wurde am 21.12.1852 in Ruppich (Sieg) geboren. Er zog Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit seiner Frau Johanna (geb. am 27.2.1865 in Rees; Mädchenname: Isaak) nach Borken. Wahrscheinlich weil Johannas Schwester schon dort wohnte. Er zog in das Haus an der Gemener Straße 20 (heute Heidener Straße 31)

Josef gründete in Borken ein Rollfuhr- und Transportunternehmen am Borkener Bahnhof. Die Aufgabe dieses Unternehmens war, Materialien von den Zügen zu anderen Unternehmen zu bringen.

Zusammen mit seiner Frau bekam er 7 Kinder (1 Sohn und 6 Töchter)

Josef starb 1927 in Borken eines natürlichen Todes.

Seine Frau und die Kinder blieben alleine zurück. Wegen des frühen Soldatentodes des einzigen Sohnes musste Johanna die Firma an Herrn August Borchers, welcher ein Mitarbeiter der Firma Feith gewesen war, verkaufen. Das geschah im Jahr 1928.

Vier der Töchter zogen weg und schließlich woh nten nur noch drei Familienmitglieder in dem Haus an der Gemener Straße 20. Die Witwe und die zwei Töchter wohnten sehr zurückgezogen.

Ehepaar Feith

Ehepaar Josef und Johanna Feith-Isaak
Foto vor 1914
Leihgeber: Friedel Berger, Israel

Die Kinder


5 Töchter Feith
von links nach rechts:
Carola, Grete, Toni, Betty, Sidonie

Foto ungefähr von 1910
Leihgeber: Tova Toledano, Israel


Dieses Foto wurde vermutlich zusammen mit dem Bild von Johanna und Josef gemacht, um es dem jungen Walter mit in den Krieg zu geben. Damit er ein Stückchen zu Hause bei sich tragen konnte.

 

Irma

geb.: 5.2.1889 in Borken
gest.:31.12.1945 (für tot erklärt worden)

Irma hat kurze Zeit in dem Elternhaus gelebt. Dann zog sie nach Köln und heiratete Arthur Neuwahl. Mit ihm hatte sie 2 Kinder: Helga(geb. 1915, ausgewandert nach England, gest. 2003 in England) und Ines Sofie. Irma wurde zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter Ines-Sofie am 21.10.1941 nach Lodz deportiert. Arthur Neuwahl starb 1954 in London.

Walter

geb.: 28.08.1890 in Borken
gest.: 4.11.1918

Walter wurde im ersten Weltkrieg zur Wehrmacht berufen, und musste dort als Soldat kämpfen. Er wurde schwer verletzt und erlag kurz darauf seinen Verletzungen in einem Lazarett in Wismar. Er ist in Borken auf dem jüdischen Frieghof beerdigt worden.

Sidonie

geb.: 16.02.1892 in Borken
gest.: 31.12.1945 (für tot erklärt worden)

Hat nur kurz in Borken gelebt, zog dann nach Köln und heiratete dort Emil Nathan. Mit ihm hatte sie einen Sohn: Heinz (geb. 19.01.1924 in Köln). Sidonie wurde am 22.07.1942 zusammen mit ihrem Sohn und ihrem Mann nach Minsk deportiert. Alle 3 wurden am 31.12.1945 für tot erklärt.

 

 

 

Betty und Grete

geb.(Betty): 29.05.1893 in Borken
gest.: im KZ Trawniki
geb.(Grete): 16.01.1896 in Borken
gest.: im KZ Trawniki

Beide Schwestern hatten das gleiche Schicksal, denn sie heirateten beide nie und blieben im Haus ihrer Eltern und lebten zusammen mit ihrer Mutter. In der Progromnacht war Grete im Gefängnis. Ansonsten lebten sie sehr zurückgezogen. Ab 1941 durften die jüdischen Familien in Borken nicht mehr in einem eigenen Haus leben und wurden alle zusammen in einem Haus untergebracht. Zu der der Zeit stand es in Borkens Innenstadt. (Dieses Haus gibt es nicht mehr, heute ist dort ein Brunnen und daneben das Buchwarengeschäft Eggers.)
Im April 1942 trennte man die Töchter von ihrer Mutter; Letztere kam ins KZ Theresienstadt, die zwei Schwestern wurden ins KZ-Trawniki deportiert. Wie oben schon erwähnt sind die drei Frauen in den Lagern umgekomnmen.

 

Toni

geb.: 22.09.1894
gest.: im Osten (Ort und Datum unbekannt)

Sie zog nach Köln und heiratete Jonatan Simon und bekam eine Tochter: Gella (geb. 25.12.1922). Toni schickte ihre Tochter zu Verwansten nach Holland. Die Eltern wurden zusammen in ein Lager im Osten deportiert.

 

 

 

Carola

geb.:30.07.1898
gest.: um 1975 in Idaho,USA

Carola hat als Einzige von den Kindern überlebt. Sie heiratete Hermann Oppenheimer und wohnte mit ihm zusammen in Prag. Sie sind dort untergetaucht und haben so den Krieg überlebt. Ihr einziges Kind Sohn Gideon wurde um 1923 geboren. Nach 1945 wanderte diese kleine Familie in die USA aus. Mutter Carola starb 1975 in Idaho/USA, Vater Hermann um 1965 in New York. Der Sohn starb ebenfalls 1975 in Ida ho, nach dem er sein geerbtes Vermögen der Universität, an der er studiert hatte, vererbt hatte. Er war geblieben.

 



Foto von Ehepaar Toni und Jonatan Simon

(Eltern von Gella Rath-Simon)
Foto von 1941
Leihgeber: Tova Toledano, Israel

Das Foto wurde vermutlich der Tochter Gella mitgeschickt, als diese nach Holland zog.

 

Gella Simon - Enkelin von Josef und Johanna Feith

Nachdem Toni Simon, geborene Feith, mit ihrem Mann Jonatan Simon nach Köln gezogen war, kam Gella Simon am 25.Dezember 1922 zur Welt.
Am 9.11.1938 folgte Gella Simon einer Einladung von Verwandten. Die damals 15-jährige verließ Deutschland allein, um Schutz ihrer Verwandtschaft in Scheveringen/Holland zu bekommen. Ihre Eltern waren auch eingeladen worden, doch sie folgten der Einladung (vermutlich aus geschäftlichen Gründen) nicht. Sie blieben in Köln und wurden später in ein Lager im Osten deportiert (Datum und genauer Ort unbekannt).

1938, vor Kriegsbeginn in Holland, arbeitete Gella in einem sogenannten "Arbeitsdorf", dem Lager Wieringer. Dies war eine Organisation für jüngere Juden, die gerüstet für die Auswanderung nach Palästina sein wollten. Dort wurden sie in der Ausübung des Ackerbaus eingewiesen und erlernten andere nützliche Arbeitsweisen.
Als Hitler in Holland einfiel, wurde das Dorf aufgelöst.

Gella wurde in das Lager Westerbork gebracht. Dort herrschten sehr schlechte Lebensbedingungen und Gella litt an einer Lungenentzündung und wäre fast gestorben. Doch entgegen den Erwartungen wurde sie wieder gesund. Und Dank eines jüdischen Wachmanns, der ihr half, konnte sie untertauchen. Gella versteckte sich in verschiedenen Wohnungen, auch durch die Hilfe von Partisanen (= höllandische Wiederstandbewegung) in Amsterdam (in der Nähe von Anne Franks Versteck). Sie bekam einen gefälschten Ausweis und konnte so den Krieg überleben.

Während der letzten Kriegsjahre arbeitet sie als Kindermädchen und hatte dadurch auch eine Unterkunft bei dieser Familie. Nach dem Krieg blieb sie in Holland und machte eine Ausbildung in einem Krankenhaus.
1 1/2 Jahre nach Kriegsende wanderte sie mit einem Schiff nach Palästina aus. Es war überladen und drohte zu sinken.

In Israel lebte sie erst unter schlechten Umständen im Atlit Camp, welches in englischer Hand war.
Danach lebte sie im Kibbutz Hazorea und ging anschließend nach Tel Aviv, wo sie zeitweise bei einem Verwandten wohnte und später in einer eigenen Wohnung.

Zu Zeiten des Unabhängigkeitskrieges arbeitete sie als Schwester in der Armee.

1950 heiratete Gella den Israeliten Asher Rath, mit dem sie 1951 eine Tochter namens Towa und 5 Jahre später einen Sohn mit Namen Menachen bekam.

Gella starb am 15.09.1983 in Israel.
Sie erlebte noch 2 Enkelkinder, 4 weitere Enkelkinder sind erst nach ihrem Tod geboren.

Tochter Tova und ihr Mann Michael Toledano haben 3 Kinder: Einat 1976 - Reut 1878- Giel 1984

Sohn Menachem und seine Frau Rosy Rath haben ebenfalls 3 Kinder: Gilad 1988 - Mathanel 1993 - Oshry 2002



Familie Rath

(v.r) Gella Rath-Simon, Menachem, Asher, Tova
Foto von 1963
Leihgeber: Asher Rath, Israel

 


Illegales Auswandererschiff am Strand von Atlit-Immigranten-Camp-Museum-Gelände
Foto von 1996
Leihgeber: Maria Wolters-Höying


Mit so einem Schiff ist damals Gella Simon , sowie viele andere Juden, nach Palästina gekommen. Das Schiff war auch damals schon so verrostet und kaputt wie auf dem Foto.

Atlit Camp



Gellas Aufenhaltsorte in den NL


Familientafel

bitte anklicken! 

Zusammenfassung

Insgesamt sind (von der Familie Feith) folgende Personen dem Holocaust zum Opfer gefallen:

· Die Mutter (Johanna)
· 5 Töchter (Irma, Betty, Grete, Sidonie, Toni)
· 2 Schwiegersöhne (Emil Nathan, Jonatan Simon)
· 2 Enkelkinder (Ines Sofie Neuwahl(Irmas Tochter) , Heinz Nathan (Sidonies Sohn))

Folgende Personen haben überlebt:

· 1 Tochter (Carola)
· 2 Schwiegersöhne (Arthur Neuwahl (Irmas Mann) , Hermann Oppenheimer (Carolas Mann))
· 3 Enkelkinder (Helga Neuwahl(Irmas Tochter), Gella Simon (Tonis Tochter), Gideon Oppenheimer(Carolas Sohn))


Sonstiges

Wie kam es zum Kontakt mit den Nachkommen der Familie?

"Borken musste wirklich glauben, dass die Familie Feith ausgestorben war. Aber wie in Hiroshima-Japan die Atombombe 1945 alles Leben zerstört hatte und nach wenigen Jahren ein Gingkobaum im Zentrum der Abwurfstelle mit einem Schössling neues Leben hervorgebracht hatte, doch stieß der Jüdische Arbeitskreis durch reinen Zufall an eine Quelle,die uns den Hinweis gab, dass die Familie Feith im Glied dieser Enkelin Gella weiter lebt.
Und diese Quelle hat einen Namen: Frau Alisa Kohlhageb, Israel."
(Zitat: Geschw. Pick)

Noch bis 1989 (Erscheinungsdatum des schwarzen Buches) war man davon überzeugt gewesen, dass die gesamte Familie Feith dem Krieg zum Opfer gefallen sei. Doch durch reinen Zufall konnte das Gegenteil bewiesen werden.
Als 1989 das Buch "Leben und Schicksal der Juden in Borken" veröffentlicht wurde, schenkte man es allen Mitgliedern der Familie Heymanns , auch Alisa Kohlhagen. In diesem Buch stand , dass keine lebenden Nachkommen der Familie Feith vorhanden wären. Doch Alisa wusste es besser, denn sie brachte den Kontakt zwischen E. und C. Pick und Asher Rath (dem Mann von Gella Rath, Enkeltochter von Josef Feith) zustande. Und so konnten diese mehr über das Schicksal von Gella Simon in Erfahrung bringen.


Quellen

- Carla und Erika Pick (Borken): von diesen haben wir folgendes erhalten:

  • Ein Brief von Rosy Rath vom 8.07.1993 über Gella Simon
  • Ein Brief von Towa Toledano vom 1.12.über Gella Simon
  • Fotokopien
  • Familientafel
  • Daten
  • Zusätzliche Informationen (Mappe)

- Bücher/ Dokumente zum Thema

  • "Leben und Schicksal der Juden in Borken" bearbeitet und zusammengestellt von Mechthild Oenning, Carla Pick, Erika Pick, Thomas Ridder und Maria Wolters-Höying, Borken 1989.
  • Akte Juden von Herrn Pöpping, Stadtarchiv Borken

bearbeitet von: Franzis Borggreve, Anna Corzillius, Julia Hahn, Judith Schlatjan