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Das Schicksal jüdischer Familien in Borken (Westf.) und Gemen zur Zeit des Nationalsozialismus - Ein Schülerprojekt

Zur Lage Borkens und Einführung in seine jüdische Geschichte
 

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Familie Haas

Familie Haas lebte in Borken und gehörte dort zu den wohlhabensten Familien der Stadt. Ihren Wohlstand erarbeitete sich Familie Haas mit ihrer eigenen Firma, die darauf spezialisiert war, Holzfurniere herzustellen. Aufgrund ihres Vermögens musste die Familie mehr Steuern zahlen als andere Familien zusammen und war alleine aus diesem Grund schon für die Stadt Borken sehr wichtig. Augenscheinlich wurde der Wohlstand der Familie beim Anblick ihrer Villa, in der die Familien der Gebrüder Haas jeweils eine Hälfte bewohnten.

Moses (sitzend) und Jonas Haas (Quelle: Sammlung M. Schöneberg)

Doch von dieser sehr bedeutenden Familie ist in Borken nicht mehr zu finden, denn die Nationalsozialisten zerstörten nicht nur die Firma Haas, sondern auch die komplette Familien: Insgesamt haben die zwei Familien von Moses und Jonas Haas 17 Mitglieder durch den Holocaust verloren. 10 weitere werden bei den Nachkommen mitgezählt. Bei den 10 Opfern handelt es sich um engste Angehörige der eingeheirateten Partner. Nach der leidenvollen Zeit des Nationalsozialismus kehrte Erich Haas als einziges "Haas-Mitglied" in seinen Heimatort Borken zurück.

Firma Haas - Villa Haas - Fam. Moses Haas - Fam. Jonas Haas (die Familien werden auf eigenen Seiten dargestellt!)


Firma Haas

Die Furnierfabrik Haas wurde von den beiden Brüdern Moses und Jonas Haas gemeinsam geführt. Sie steckten viel Arbeit und Mühe in diese Firma, die auch die kritische Wirtschaftssituation in den 20er Jahren souverän überstand. Zweigstellen der Firma konnten, auf Grund der hohen Qualität der Produkte, in Hamburg und Paris errichtet werden.

Nach der Machtübernahme der Nazi´s bekam die Firma jedoch verstärkt Problem. Im September 1935 schränkten die Nürnberger Gesetze das Leben der Juden ein. Es durfte nicht mehr mit den Juden verhandelt oder Geschäfte getrieben werden. Denn es galt: " Wer mit Juden handelt, der treibt Verrat am Volk und an der Nation." Agitationen verstärkten sich und gipfelten in der Kristallnacht 1938: In der Nacht vom 9./10. November zerstörten angetrunkene Horden von einheimischen und auswärtigen SA-Leuten die Firmeneinrichtungen und Privatwohnungen. Die Gebrüder Haas mussten sich aus der Firma zurückziehen. Die Firma wurde nun von einem sogenannten "Arier", Walter Krech, weitergeführt. ("Arier" bedeutet zur Zeit des Nationalsozialismus: Nichtjude). Er (Holzkaufmann) führte das Geschäft, bis im März 1945 das Wohnhaus, Holzlager und Furnierlager durch schwere Fliegerangriffe total zerbombt wurden.

In den 50er Jahren wurde die Fabrik durch einen Erich Haas wieder aufgebaut, überdauerte die weiteren Zeiten jedoch nicht.

Ein Schreibtisch voll mit Furnier-Mustern

 

Villa Haas

Die Villa der Familie Haas, auch "Zionsburg" genannt, lag an der heutigen Bahnhofstraße 9 - 11 in Borken. Es war eines der prachtvollsten Gebäude der Stadt Borken. Die Villa war quasi ein sehr großes Doppelhaus, da sie aus zwei spiegelverkehrt aufgebauten Hälften bestand. In je einer Hälfte lebten die Brüder Jonas und Moses Haas mit ihren Familien. Insgesamt war die Villa Haas etwa doppelt so groß wie die noch heute stehende Villa der Familie Bierbaum (welche zur Firma Bierbaum gehörte). Ähnlich wie die Firma Hass wurde auch die Villa im März 1945 durch Bombenangriffe komplett zerstört (s. Bilder)

 

 

Nach dem Krieg wurde die Villa nicht wieder aufgebaut. An ihrer Stelle stehen heute andere Wohnhäuser (s. Fotos)

Bilder vom Standort des Hauses Haas in heutiger Zeit (2005)

zur Betrachtung der Bilder - bitte anklicken!

 

Quellenangaben:

  • Briefe von Mechtild Oenning an Ilse Haas
  • Projektarbeit von Marion Vielemeyer: "Die Familie Haas". Borken 2004.
  • Informationen aus bereits bestehenden Dokumenten des Stadtarchivs und des Archivs des Arbeitskreises jüdisches Leben in Borken und Gemen.
  • Interview mit Zeitzeugin Frau Klaus (ehemalige Angestellte von Erich Haas) am 04.01.2005
  • Telefonat mit Frau Schöneberg (Arbeitskreis jüdisches Leben)

Bearbeitet von Johannes Cremer, Lennart Cymbarewicz, Andrea Issinger, Melanie Nolte, Bernd Ombeck, Isabell Pinnow, Ruth Sierverdingbeck,Anna Tschinaev, Mario Wesolowski