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Das Schicksal jüdischer Familien in Borken (Westf.) und Gemen zur Zeit des Nationalsozialismus - Ein Schülerprojekt

Zur Lage Borkens und Einführung in seine jüdische Geschichte
 

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Familie Heymans

Familie Heymans in Borken - Fam. Heymans: Informationen einer Freundin - Die Nachfahren der Heymans - Der Stammbaum - Stationen der Verfolgung von Familie Heymans - Das Haus - Fluchterlebnisse: Ilse Heymans - Fluchterlebnisse: Rosel Heymans - Quellen

Helga Heymans


Familie Heymans und ihre Geschichte in Borken

Lion Heymans (eigentlich Heijmans - Name wurde in Deutschland verändert) lebte mit seiner Familie in Borken. Seine Frau hieß Martha. Er hatte vier Kinder: Albert, Ilse, Helga und Rosel.

  • Ilse: geb. 18. Juli 1919
  • Albert: geb. 8.2.1922
  • Helga: geb.1926
  • Rosel: geb. 1929

1938 floh die ganze Familie in die Niederlande nach Groenlo. Im Jahr 1943 wurden jedoch Martha und Helga nach Auschwitz deportiert. Helga starb noch in jenem Jahr im September in Sobibor. 1945 starb ihre Mutter in Bergen Belsen. Ihr Mann Lion kam bereits im Oktober 1941 in einem Konzentrationslager in Mauthausen (Österreich) ums Leben. Nur Ilse, Albert und Rosel überlebten. Albert Heymans beschreibt in seinem Buch: „Ein Jude ohne Stern“ (1. Auflage 2003) sein Leben während der Nazi-Diktatur.

Die Eltern von Lion Heymans waren Heiman Hertz Heymans und Jula Cosmann, die 1885 heirateten und in Groenlo, wo Lions Vater gebürtig herkam, lebten. Seine Mutter kam aus Borken.

Die Eltern von Martha Heymans, geborene Linz, waren Salomon Linz und Elisabeth Strauss. Beide lebten gemeinsam in Köln, wo Martha und ihre Mutter geboren wurden. Ihr Vater stammte aus Siegburg.

Die Heymans´ lebten mehr als 5 Jahre in Borken. Das Haus stand in der Mühlenstraße 13. Aber vermutlich hatte die Familie Heymans zuvor ein Textilgeschäft in der Sternstraße. Heute befindet sich dort die „Galerie Siebelt“. Das Geschäft in der Mühlenstraße war auch ein Textilgeschäft; manche nannten es "Kaufhaus Heymans“. Die Familie wohnte in den oberen Etagen. Das Erdgeschoss und die 1. Etage dienten dem Betrieb. Es können sich noch heute einige Borkener Bürger an das damalige Kaufhaus erinnern. Die Verwandten einer alten Dame, die heute noch in der Nähe des ehemaligen Kaufhauses wohnt, waren sehr gute Bekannte der Heymans´ (siehe Lageplan).

Das war eine Werbung des Kaufhauses „Heymans“. Diese Werbung stammte aus ihrem ersten Geschäft in der Sternstraße.  

 

Das Kaufhaus „Heymans“ war begehrt in Borken, da zu dem Zeitpunkt nicht sehr viele Kaufhäuser gab. Aber am 1. April 1933 stand ein Boykottposten vor dem Geschäft. Seit dem gingen die Einnahmen zurück und es traten finanzielle Probleme für die Heymans auf. 1938 verließen sie Borken. Um 1942 wurde die Stadt Borken stark zerstört, besonders dort, wo die Remigius- Kirche steht. Da das Geschäft dort stand, wurde das Dach zerstört. Das Haus stand einige Zeit leer und wurde beim Wiederaufbau renoviert und seit 1949 vom Gasthaus „Gasthaus zur Mühle“ genutzt. Später war es ein öffentliches Gebäude mit einem Spielplatz. Erst 1960 wurde das Gebäude abgerissen.

Quelle:

  • Stadt-Archiv-Borken
  • Frau Schöneberg
  • Anwohner der Mühlenstraße
  • Stammbaum der Familie Heymans-Linz (Private Aufzeichnung von Carla und Erika Pick)
  • Albert Heymans: „Ein Jude ohne Stern“ (1. Auflage November 2003)

Familie Heymans

-Informationen einer Freundin der Familie- 

Familie Heymans fühlte sich, da sie aus den Niederlanden kam, immer als Ausländer in Deutschland. Dies erkennt man auch daran, dass nirgendwo Bilder mit ihnen zum Beispiel aus Sportfamilien auftauchen. Albert Heymans hatte keinen richtigen Freund, dem er sich anvertrauen konnte.

Die Schwestern Ilse und Rosel Heymans dagegen fanden Freundinnen.

In der Zeit, als die Familie in Borken das Geschäft führte, hatten sie gute Freunde mit denen sie sich abends manchmal trafen.

Ilse Heymans heiratete Kurt Kohlhagen - wenn auch eigentlich nicht unbedingt direkt aus Liebe, sondern damit beide bessere Aussichten auf eine Versetzung hatten. Mit der zeit entwickelte sich jedoch eine richtige Liebesbeziehung zwischen Ilse, die ihren Namen in den israelischen Namen Alisa umänderte, und Kurt. Kurt Kohlhagen verstarb 1996.

Rosel heiratete Zwie und sie bekamen einen Sohn, Danni und eine Tochter namens Ester.

Quellen:

  • Frau Schöneberg
  • Anwohner der Mühlenstraße

 

Der dritte von links ist der Albert Heymans.

Der Herr und die Dame in der Mitte sind Kurt Kohlhagen und Ilse Heymans. Die beiden Damen zur linken und zur rechten Seite sind Erika Pick und Maria Wolters.

Der Herr links ist Zwie und die Dame rechts ist Rosel Heymans.

 

Nachfahren der Heymans

Es leben noch drei Kinder dieser Familie in Israel. Aber ihre Kinder können kein Deutsch sprechen, da sie in Israel aufwachsen.

Der bekannteste von ihnen ist Albert Heymans. Er ist der älteste Nachfahre und weiß am meisten über die Zeit des Nationalsozialismus. Albert hat viel von der Schreckenszeit miterlebt, genauso wie seine Geschwister.

Die jüngeren Generationen der Heymans leben heute in Israel und so ist es schwer mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Albert Heymans ist, obwohl er diese schlimmen Ereignisse erleben musste, kein „Deutschenhasser“ und hat sogar in seinem Leben hin und wieder seine alte Heimatstadt Borken besucht. Er hat viel dazu beigetragen, dass sich auch noch heute viele Menschen an die Juden in Borken erinnern, unter anderem mit dem Buch „Ein Jude ohne Stern“.

Genaueres über die anderen Generationen ist uns nicht bekannt.

Stammbaum der Familie Heymans

Quelle: Stammbaum der Familie Heymans-Linz (Private Aufzeichnung von Erika und Carla Pick)

 

Stationen der Verfolgung von Familie Heymans

Die Familie Heymans flieht erst mit Hilfe guter Bekannter in die Niederlande, wo die Familienmitglieder sich jedoch verlieren.

8. 10.1941 

   

Lion Heymans, der 1938 aus Borken in die Niederlande geflohen war, wird von den Deutschen verhaftet  und zusammen mit anderen jüdischen Männern aus Arnheim, Enschede Zwolle und kleineren Orten im Osten der Niederlande ins Konzentrationslager Mauthausen in Österreich gebracht. Kurz darauf kommt die Todesnachricht.
   
März 1943     Mutter von Inie Gans wird nach Westerbork gebracht.
   
6.4.1943 Eltern und Bruder von Inie Gans werden aus Westerbork in den Osten deportiert.
   
3.9.1943 Helga Heymans wird in Sobibor umgebracht.
   
24.9.1943 Martha Heymans-Linz wird zusammen mit ihrer Schwester Erna nach Auschwitz gebracht.

Albert Heymans lebt nach einer Razzia obdachlos in den Straßen von Arnheim, taucht dann in der ländlichen Umgebung unter und verdient sich seinen Lebensunterhalt als Knecht, unter dem Namen Gerrit, bei dem Landwirt Verholt, wo später auch seine Schwester Ilse Heymans, unter dem Namen Janna, als Magd arbeitet. Albert Heymans hatte seine Erlebnisse in dem Buch „Ein Jude ohne Stern“ dokumentiert.

Quelle: Albert Heymans: „Der Jude ohne Stern“ (1. Auflage 2003)

 

Das Haus

Aufsicht auf das heutige (Jahr 2005) Gebiet in Borken mit der wahrscheinlichen Lage des zweiten Kaufhauses „Heymans“.

 

Das Gebäude, nachdem die Heymans es verlassen haben und es im Krieg zum Teil  zerstört wurde und wiederaufgebaut wurde. Es wurde zum „Gasthof zur Mühle“. Das Dach wurde erneuert und neue Innenwände wurden errichtet.

Quelle: Borkener Stadtarchiv

 

Das Erdgeschoss des „Gasthauses zur Mühle“. Unten ist der Eingang.

 Quelle: Borkener Stadtarchiv

 

Die erste Etage des „Gasthauses zur Mühle“

Quelle: Borkener Stadtarchiv

 

Fluchterlebnisse - Ilse Heymans erzählt: 

 

 

Quelle: Frau Mechtild Schöneberg 

Fluchterlebnisse - Rosel Heymans: 

Als Rosel Heymans im September 1938 aus den Ferien zurückkam, war ihr Vater, Lion Heymans, bereits in die Niederlande gegangen. Die Mutter, Martha, schickte ihre Töchter Helga und Rosel nach Groenlo. Martha verließ Borken nach der Kristallnacht am 9. November.

Im Mai 1940 brach der Krieg in den Niederlanden aus und im Oktober folgenden Jahres wurde der Vater nach Mauthausen deportiert. Am 10. April 1942 sollten sich Rosel und Martha im Lager Vught melden. Rosels Geschwister, Albert und Ilse, halfen ihr dabei unterzutauchen. Sie floh nach Amsterdam und von dort nach Zeist, wo sie bei einem Mann namens Chris, der bereits fünf jüdische Kinder aufgenommen hatte, unterkam. Eines Tages, als Rosel nicht in Chris´ Haus war, kam die SS und nahmen die fünf Kinder und Onkel Chris mit. Die Kinder wurden nach Ausschwitz deportiert und der Onkel musste ins Lager nach Vught.

Für Rosel war es zu gefährlich in das Haus zurückzukehren und deshalb suchte sie mitHilfe der Tochter ihrer Tante Mien einen Unterschlupf. Sie kam zufällig bei dem Pfarrer unter, der ihr bereits in Amsterdam geholfen hatte. Der Pfarrer beschaffte ihr die Adresse von einer Familie, bei der sie unterkommen konnte. Auf diese Weise hat sich Rosel, zum Teil mit Hilfe von falschen Papieren, durchgeschlagen und kam bei verschiedenen hilfsbereiten Familien unter.

Als im September 1944 die Landung der alliierten Truppen in Arnheim scheiterte, war Rosel zu dieser Zeit im nahe gelegenen Wageningen bei einer Familie untergekommen. Es kam zu Schießereien und Rosel wurde nach Veenendaal evakuiert. Dort half ihr eine sehr arme, aber hilfsbereite Familie. Ihre Geschwister, Albert und Ilse, die bei einem Bauern untergebracht waren, fanden Rosel schließlich nach langem Suchen in Veenendaal. Im „Hungerwinter“ 1944 bis 1945 brachten sie Rosel gelegentlich Nahrungsmittel vorbei. Schließlich fand Ilse eine Unterkunft für Rosel ganz in der Nähe von dem Bauernhof, wo sie und Albert untergebracht waren. Auf diese Weise überlebten alle drei den Krieg. Nach dem Krieg mussten die drei für sich selber sorgen, weil ihre Eltern während des Krieges in Konzentrationslagern ums Leben gekommen waren. 1948 ist Rosel nach Israel ausgewandert, wo sie ihren Mann Zwi geheiratet hat.

Quelle: Ergänzender Brief über die Fluchterlebnisse von Rosel Heymans (E-mail vom 19.11.05)


Quellen: 

  • Frau Mechtild Schöneberg
  • Anwohner der Mühlenstraße in Borken (Frau Amsbeck, Herr Horst Brinkmann, Frau Herb. Schulze, Herr Kettelhack)
  • Albert Heymans: „Ein Jude ohne Stern“ (1. Auflage November 2003)
  • Ergänzender Brief über die Fluchterlebnisse von Rosel Heymanns
  • Borkener Stadtarchiv
  • Stammbaum der Familie Heymans-Linz (Private Aufzeichnung von Erika und Carla Pick)
  • Arbeitsgemeinschaft „Jüdisches Leben in Borken und Gemen“(Hrsg.),   Leben und Schicksal der Juden in Borken, bearbeitet und zusammengefasst von Mechtild Oenning, Carla & Erika Pick, Thomas Ridder, Maria Wolters Höying, Borken 1989

Bearbeitet von: Tobias Bonhoff, Dennis Mo, Bastian Richters, Kea Schmidt-Bodenstein, Thorben Schwiederowski