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Das Schicksal jüdischer Familien in Borken (Westf.) und Gemen zur Zeit des Nationalsozialismus - Ein Schülerprojekt

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Familie Humberg

Zu unseren Forschungen:

Bei unserem Projekt "Jüdische Spuren in Boken um Gemen" forschten wir über die Familie Humberg, die zur Zeit des Nationalsozialismus in Borken gelebt hat. Dabei hatten wir einige Probleme, da es über diese Familie nur sehr wenige Informationen gibt. Wir konnten deswegen nur die wenige Daten verwerten und es gibt daher auch keine persönlichen Informationen.
Es hat uns sehr schockiert, dass eine ganze Familie aus der Geschichte Borkens entfernt wurde und sie heute nur noch auf dem Papier existiert.

Das Haus der Humbergs:

Das ehemalige Haus der Humbergs an der Burloer Straße 1 wurde wahrscheinlich von der Familie Humberg erbaut. Nachdem die Familie das Haus verlassen musste, wechselte das Haus mehrmals seine Besitzer. Vor dem Krieg befand sich im Keller des Hauses eine Zelle, was vermuten lässt, dass sich dort eine Polizeistation befand. Dann wurde es von einem Herrn Zimmermann bewohnt, der es dann an Herrn Dr. Weiß, den damaligen Vorsteher des Finanzamtes verkaufte. Im Moment ist der Zahnarzt Dr. Künstler der Besitzer, da es dessen Vater im Jahr 1954/55 von Herrn Dr. Weiß gekauft hatte. Herr Künstler bewohnt dieses Haus nicht mehr und hat es an einen Steuerberater vermietet.



Das Haus der Familie Humberg
(Eigenes Bild)


Das Leben der Humbergs:

Wilhelm (Willi) Humberg wurde am 13.09.1895 in Dingden geboren. Seine Eltern heißen Abraham Humberg und Rosalie Humberg. Abraham wurde am 23.07.1852 in Klein Reken geboren und starb am 22.08.1932 in Dingden. Rosalie wurde am 25.07.1856 in Ramsdorf geboren und starb am 01.01.1937 ebenfalls in Dingden. Rosette Menko, Wilhelms spätere Ehefrau, wurde am 19.05.1908 in Winterswijk geboren. Die beiden lernten sich kennen und lieben und heirateten. Rosette übernahm den Namen ihres Mannes Wilhelm.
1929 zogen sie nach Borken und bauten sich dort ein Haus an der Burloer Straße 1. Die Frage, wiese Wilhelm und Rosette ausgerechnet nach Borken zogen, lässt sich dadurch beantworten, dass die Verwandten von Wilhelms Mutter dort wohnten. In Borken kamen dann ihre zwei Töchter zur Welt. Am 9.08.1929 wurde Margot geboren und am 24.05.1933 erblickte Vera R. das Licht der Welt. Wilhelm Humberg war Großviehhändler und verdiente damit genug, um seine Familie zu ernähren. Am 15.12.1933 zog die Familie nach Winterswijk, den Geburtsort Rosettes. Vera R. war 11 Jahre und ihre Schwester Margot gerade 15 Jahre alt, als die Beiden und ihre Mutter am Anfang des Jahres 1944 nach Auschwitz deportiert wurden und dort ums Leben kamen. Ihr Vater Wilhelm Humberg hingegen wurde zur gleichen Zeit nach Riga/Blen deportiert und ist dort am 31.03.1944 umgekommen.
Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde die Familie Humberg zuerst nach Westerbork, Niederlande gebracht, was begründet, dass nicht alle Familienangehörigen in das gleiche Lager deportiert wurden, sondern in Westerbork auseinandergerissen wurden. Da Vera R. und Margot schon im frühen Kindesalter ums Leben kamen, waren sie ledig und es gibt keine weiteren Verwandten.
Auf dem Denkmal für deportierte Juden, das in Winterswijk gegenüber dem Rathaus steht, ist die gesamte Familie namentlich genannt.




Bilder:

Wir haben nur ein einziges Foto der Familienmitglieder gefunden. Auf diesem Bild ist Rosette Menko während eines Treffens von Juden zu sehen:


Rosette Menko

(Quelle: Sammlung des Arbeitskreises)





Quellen:

  • "Leben und Schicksal der Juden in Borken", bearbeitet und zusammengestellt von Mechtild Oenning, Carla Pick, Erika Pick, Thomas Ridder und Maria Wolters Höying, Borken 1989.
  • "Wohnorte jüdischer Familien" (Angaben aus den Melderegistern ca. 1930 bis 1942 in Borken)
  • Herr Dr. Künstler, Interview am 13.12.2004
  • Ursula Künstler, Interview am 13.12.2004
  • Akte Pöpping aus dem Stadtarchiv Borken
  • Herr Nissing, Archiv Hamminkeln
  • Mechtild Schöneberg, Interview am 10.02.2005

Bearbeitet von: Viola Beßeling, Milena Grömping, Carolin Schweer, Eva-Maria Weßing,